Bundesförderung
Das Projekt „Prozessbegleitung und Handlungsempfehlung zur Reaktivierung stillgelegter Bahntrassen für den Radverkehr“ ist eine nichtinvestive Maßnahme zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplanes 2002 – 2012.
Damit verfolgt die Bundesregierung das Ziel, den Radverkehr in Deutschland im Rahmen einer nachhaltigen Verkehrspolitik zu fördern.
Stilllegung von Eisenbahnstrecken
Eisenbahnstrecken werden durch die Deutsche Bahn AG (DB AG) meist aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt. Das betrifft hauptsächlich den Rückgang des Individualverkehrs im ländlichen Raum - aufgrund der demographischen Entwicklung und der wirtschaftlichen Situation besonders im Osten Deutschlands. Für die DB AG entstehen hohe Kosten für diese Strecken bei geringer Auslastung. Nach einer Wirtschaftlichkeitsprüfung der Strecken seitens der DB AG und einem ggf. folgenden Streckenstilllegungsverfahren wird der Verkehr auf der Strecke eingestellt.
Die Trasse gilt aber immer noch als Betriebsanlage der Bahn. Das verursacht weiterhin Kosten. Selbst die Aufnahme des Verkehrs durch ein anderes Eisenbahnverkehrsunternehmen wäre möglich. Falls dies nicht erfolgt, wird durch die DB AG ein Grundstücksverkauf angestrebt. Dafür muss die bahnbetriebliche Nutzung einer alten Trasse völlig ausgeschlossen werden und neben der Stilllegung auch eine endgültige Entwidmung / körperliche Trennung erfolgen.
Der weitere Weg über die Stilllegung hinaus, ist oft noch nicht gegangen. Zahlreiche Bahntrassen wurden stillgelegt und liegen brach in der Landschaft. Dies ist offensichtlich, wenn man das Streckennetz z.B. in Thüringen um 1930 (ca. 2800 km) mit dem heutigen Streckennetz (ca. 1700 km) vergleicht. Heute gibt es in Thüringen mit ca. 1100 km Länge ein enormes Netz von stillgelegten Bahntrassen. In den vergangenen Jahren wurden ca. 50 km der ehemaligen Bahntrassen für den Radverkehr nutzbar gemacht (z. B. Mommelstein-Radweg, Ulster-Radweg). Damit ist ein großes Potential allein in Thüringen noch nicht erschlossen und aktiviert.
Steigungen von maximal 4 Prozent, weiche Senken, großzügige Kurvenradien und zumeist eine gute Asphaltierung machen Radwege auf ehemaligen Bahntrassen besonders komfortabel und damit kinder- und familienfreundlich. Abseits vom Autoverkehr bieten sie barrierefreie, lärmarme und zumeist landschaftlich reizvolle Wegeverbindungen für viele Nutzer, denn auch Nordic Walker, Wanderer, Rollstuhlfahrer und Skater sowie im Winter die Skilangläufer kommen auf ihre Kosten. Radwege gewährleisten oft die kürzeste Verbindung zweier Ortskerne und sind insbesondere zur Erschließung von Regionen abseits der Zentren geeignet.
Im Detail gibt es zwischen den verschiedenen Bahntrassenradwegen große Unterschiede: Einige Routen haben erstklassige asphaltierte Oberflächen, sind vorbildlich beschildert und mit attraktiven Rastplätzen ausgestattet. Die Tunnel sind in aller Regel beleuchtet (evtl. mit Bewegungsmeldern gesteuert).
Kulturweg
Die alten Bahntrassen sind ein Teil unserer industriellen Kultur und der Erhalt der oftmals ortsbildprägenden Bauwerke ist überaus erstrebenswert. Grandiose Ausblicke gewähren Überfahrten von Brücken und Viadukten. Bahndämme, Geländeeinschnitte und Tunnel machen das Radfahren zum Bahntrassen-Radelerlebnis. Die Gefahr, dass diese industrie- und verkehrshistorischen Anlagen unwiederbringlich zerstört werden, besteht durch Zerschneidung, Kürzung und Überbauung der ehemaligen Bahntrassen durch Verkehrsbauten, Gewerbegebiete und Wohngebiete, insbesondere bei Straßenverkehrsprojekten. Die Wiederherstellung von Ingenieurbauwerken (Brücken, Durchlässe) ist bei den meisten Bauvorhaben nicht in der Finanzierung enthalten.
Potential für Tourismus
Das Potential der zahlreichen Kilometer stillgelegter Bahntrassen lässt sich vor allem für die touristische Vermarktung nutzen. Besonders die Einbeziehung von vorhandenen ehemaligen Bahnhofsgebäuden bietet sich an (Reaktivierung bzw. Umnutzung als Hotel, Gastronomie).
Vorreiter Nordrhein-Westphalen
Als erstes Bundesland hat sich Nordrhein-Westfalen zur Gründung eines Gemeinschaftsprojektes zur Entwicklung von Brachflächen entschlossen. Die BahnflächenEntwicklungsGesellschaft NRW (BEG) ist für 205 Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen der zentrale Ansprechpartner, um entbehrliche Bahnareale optimal zu entwickeln. Zentrale Aufgabe der BEG ist es, die Entwicklung gerade auch solcher Flächen anzugehen, für die es bislang keine Perspektiven gab. Nur in dieser Zusammenarbeit kann sichergestellt werden, dass städtebauliche und stadtentwicklungspolitische Interessen besser durchgesetzt und integriert werden können. Die Bahn verbindet damit die Erwartung, für Flächen, um die sie sich bislang nicht kümmern konnte, einen neuen Eigentümer zu finden.




